Voten aus der Fraktion zur Einwohnerratssitzung vom 23. November 2020

Sportplatz Winkel (Martina Niggli, Susanne Klaus)

Grundsätzlich sieht die Grüne Fraktion die Sanierung des Sportplatzes als notwendig an, jedoch ist der Stadtrat mit diesem Projektantrag in unseren Augen etwas über das Ziel hinausgeschossen. Gleich verhält es sich auch mit der Petition der IG Winkel: gewisse Argumente kann die Fraktion der Grünen nachvollziehen, andere nicht.

Das Projekt weist noch zu viele Fragen auf. Die grüne Fraktion

  • sieht keine Notwendigkeit für eine Beschallungsanlage,
  • steht der vorgeschlagenen Umzäunung kritisch gegenüber,
  • sieht klar die Notwendigkeit eins Kunstrasenfelds, aber nicht unbedingt von zweien,
  • kritisiert die Massnahmen bezüglich des Mehrkehrs als zu wenig wirkungsvoll,
  • fordert den Stadtteil Rohr auf, seinen Beitrag an die gesamtstädtischen Bedürfnisse nach einem Ausbau der Kapazitäten zu leisten.

Daher hat die Grüne Fraktion einstimmig für die Rückweisung gestimmt.

Das grosse ABER: die Fraktion ist überzeugt, dass eine Erneuerung der Sportanlage das richtige ist. Damit eine einvernehmliche Lösung gefunden werden kann, erwartet die Fraktion einerseits, dass der Stadtrat bereits ist, auf diese Bedürfnisse sofern möglich einzugehen. Und andererseits, dass die Petitionäre ihrerseits bereit sind, Kompromisse einzugehen, wie sie dies in den Gesprächen auch signalisiert haben.

Martina Niggli

Einwohnerrätin, Vorstand
Martina ist Controllerin, arbeitet gerne im Garten und an der Nähmaschine und wohnt im Zelgli.

Susanne Klaus

Einwohnerrätin
Susanne ist Schulleiterin und wohnt im Zelgli.


Familien- und schulergänzende Kinderbetreuung, Subventionierung des Moduls Mittagsbetreuung: Beantwortung der Anfrage (Petra Ohnsorg)

Im Dezember 2019 hat der Stadtrat beschlossen, die Obergrenze des Elternbeitrags für das Modul Mittagsbetreuung auf den 1. Januar 2020 von CHF 15 auf CHF 30 zu erhöhen. Die Grüne Fraktion hat dazu eine Anfrage gestellt, da die Anhebung der Obergrenze de facto für viele Eltern überraschend erfolgt ist und zu einer Verdoppelung des Tarifs bei gleicher Leistung geführt hat. Aus Sicht der Grünen ist die Antwort des Stadtrats und der Verwaltung auf die Anfrage nicht befriedigend.

Die Preise für die Eltern werden indirekt über die Subventionen von der Stadt reguliert. Die Verantwortung für die Preisgestaltung auf die Institutionen zu schieben, ist da zu einfach -und dies ausgerechnet bei dem Modul, welches 2019 am meisten nachgefragt worden ist.

Begrüssenswert ist natürlich, dass der Stadtteil Rohr auch endlich von den Subventionen für die Kinderbetreuung profitieren kann. Nachdenklich stimmt aber die Tatsache, dass im nächsten Jahr gemäss Budget CHF 360’000 trotzdem weniger Geld für die Vereinbarkeit von Beruf & Familie zur Verfügung gestellt wird als letztes Jahr. Von einer gesamtstädtischen Verbesserung kann also nicht die Rede sein, eher von einer Umverteilung. Dabei hätte man nach der deutlichen Annahme des Kinderbetreuungsgesetzes etwas anderes erwarten dürfen!

Petra Ohnsorg Matter

Fraktionspräsidentin, Co-Präsidentin Aarau Mobil
Petra ist Archäologin und Geschäftsleiterin eines KMU. In der Freizeit spielt ihre Familie eine wichtige Rolle. Sie ist gerne draussen - am liebsten am Wasser, im Jura, in den Bergen oder einfach im Garten.

Postulat „Mehr Bäume und weniger Teer – effektive Hitzeminderung für die Stadt Aarau“ (Thomas Waldmeier)

Ich erzähle euch eine kleine Geschichte. Ich heisse Waldmeier und bin Biologe, deshalb wird es in dieser Geschichte vor allem um Bäume gehen:

„Es war einmal vor langer Zeit, in einer weit, weit entfernten Galaxis… Oh, Entschuldigung! Jetzt bin ich im falschen Film. Die Geschichte sollte so anfangen: Sie spielt in naher Zukunft, direkt vor unserer Haustür hier in Aarau. Wir machen einen Rundgang durch Aarau und ich habe Onkel Hanspeter dazu eingeladen. Wir starten am Bahnhof, wo Hanspeter ankommt. Auf dem grossen Bahnhofsplatz, wo früher ein grosses Teer-Feld war, wachsen jetzt überall Feldahorn. Wir fragen uns, wie das geht, wo doch unterirdisch alles mit Tiefgaragen verbaut ist. Wir sehen, dass für die Bäume eine Art riesig grosse Pflanzentöpfe hingemauert wurden, und auf diesen Mauern an den Rändern sind Bretter befestigt, die wie Bänklein benutzt werden können. Viel besser als die früher vorhandenen roten Plastiktulpen, die immer defekt waren. Und man sitzt erst noch im Schatten.

Wir sehen dann weiter zur Plastikwolke und bestaunen deren früher graue Stützträger, die jetzt grün erscheinen, weil daran Efeu in den Himmel zu wachsen scheint. Wir gehen über den Fussgängerstreifen zur Post hinüber, die ihre Spitzenleistungen symbolisch zeigt mit ein paar Spitzahornen davor. Wir gehen der Bahnhofstrasse entlang, wo auch überall Bäume stehen, das Penny, Gourmet 53 und das Café Brändli zum Beispiel haben ihre Tische aufgestellt unter den Bergahornen, unter denen die Leute träumen können von ihrem nächsten Ausflug in die Schweizer Berge.

Wir gehen weiter. Beim Kreisel Aargauerplatz steht in der Mitte, wo früher das Polizistenhäuschen war und den Verkehr durch die Kreuzung lenkte, neu ganz maienzuglich weiss ein Weissdorn. Vor dem Regierungsgebäude wachsen stolz und repräsentativ eine Trauben- und eine Stieleiche. Wir gehen runter durch die Vordere Vorstadt, die neu nur im Einbahnverkehr läuft, die freien Stellen sind auch mit Bäumen bepflanzt. Vor dem Hagenbuch steht natürlich eine Hagenbuche, ansonsten hat es viele wunderschöne Blumeneschen, die die Vordere Vorstadt zur neuen Flaniermeile von Aarau machen.

Wir spazieren weiter zum Kirchplatz und nehmen eins in der Garage, wo wir unter eine Waldföhre sitzen und uns fühlen wie auf einem Dorfplatz in den Ferien im Mittelmeerraum. Wir gehen dann weiter hinunter zum Rathaus, wo eine Reihe Vogelbeerbäume, dass nicht nur im Rathaus drinnen Vögel sind, sondern auch davor. Schräg vis-à-vis entdecken wir, dass dort (und auch an anderen Stellen, z.B. beim Gerechtigkeitsbrunnen), wo jeweils in der Weihnachtszeit ein Baum hingestellt wird, nun ganzjährig lebendige Bäume stehen.

Weiter geht’s Richtung Kettenbrücke. Am Zollrain hat es neu nicht nur links, sondern auch auf der rechten Seite Sommerlinden. Wir spazieren der Aare nach, trinken eins in der Schwanbar oder in einer der neuen Buvetten und kommen zum Tellirain. Statt der drei wüsten Betonklötze steht jetzt dort eine wunderschöne Silberweide im Kreisel. Diese mag es gerne nass und weist damit auf die Zeit hin zurück, als die Telli noch Sumpfgebiet war. Ich selber wohne ja übrigens in diesem Telli-Sumpf. Gut, wir gehen jetzt den Tellirain hinauf und kommen zur Laurenzenvorstadt, wo die Autos neuerdings im Schatten parkieren und der Freihof seine Sonnenschirme nicht mehr aufstellen muss, weil die Winterlinden nun für eine Abkühlung der Sommerhitze sorgen.

Angekommen am Schlossplatz, wissen wir nicht, in welche Beiz wir gehen sollen, ob wir zusammen mit Tante Elsa, die dort auf uns wartet unter die Elsbeerbäume des OscarOnes sitzen sollen, oder ob wir im neuen Schlossbiergarten unter eine der neuen Hopfenbuchen sitzen. Wir entscheiden uns für eine Beiz, beenden unseren Rundgang und freuen uns schon auf den nächsten Besuch von Onkel Hanspeter, wo wir dann eine andere Region von Aarau kennenlernen werden.“

Das war die Geschichte. Warum habe ich die erzählt? Einerseits kennt ihr nun 15 einheimische Baumarten! Uns Grünen ist es wichtig, dass man bei solchen Baumpflanzungen einheimische, standortgerechte Arten wählt. Andererseits habe ich euch Stellen aufgezeigt, wo Potenzial für 150- 200 neue Bäume ist. Die Grünen danken für eine Überweisung des Postulates.

Thomas Waldmeier

Einwohnerrat
Thomas ist Imker und Biologe, spielt gerne Theater und klassische Musik und wohnt in der Telli.